So etwas wie „rifffreundlich" gibt es nicht

There is no such thing as reef friendly

Sonnencreme, Korallenriffe und Korallenbleiche: Zusammenhänge aufgedeckt

Die Auswirkungen von Sonnencreme auf Korallenriffe sind zunehmend ein Thema – insbesondere im Zusammenhang mit der Korallenbleiche. Korallenriffe, die als „Regenwälder des Meeres" bekannt sind, stehen vor mehreren Bedrohungen: Klimawandel, Umweltverschmutzung und Lebensraumzerstörung. In diesem Blogbeitrag gehen wir tiefer in den Zusammenhang zwischen Sonnenschutzmittel, Korallenriffen und dem Phänomen der Korallenbleiche ein und beleuchten, warum dieses Thema so wichtig ist.

Was ist Korallenbleiche?

Korallenbleiche tritt auf, wenn Korallen ihre symbiotischen Algen – die sogenannten Zooxanthellen – verlieren. Diese Algen versorgen die Korallen über Photosynthese mit Energie und verleihen ihnen ihre leuchtenden Farben. Unter stressigen Bedingungen – wie erhöhten Wassertemperaturen oder Umweltverschmutzung – stossen die Korallen die Zooxanthellen aus, was zu einem blassen oder gebleichten Aussehen führt. Korallen können sich von einer Bleiche erholen, wenn sich die Bedingungen verbessern – anhaltender Stress kann jedoch zu ihrem Rückgang und schliesslich zu ihrem Tod führen.

Die Rolle von Sonnenschutz bei der Korallenbleiche

Sonnencreme ist zwar nicht die einzige Ursache der Korallenbleiche, aber bestimmte Inhaltsstoffe können die Auswirkungen von Umweltstressoren verstärken. Chemische Filter wie Oxybenzon und Octinoxat wurden in Studien damit in Verbindung gebracht, Korallenbleiche zu begünstigen und das Wachstum und die Fortpflanzung von Korallen zu hemmen. Diese Chemikalien können die Symbiose der Korallen mit den Zooxanthellen stören und sie anfälliger für Bleiche machen. Aber auch physikalische Filter (Zinkoxid-Nanopartikel) haben eine schnelle Bleiche verursacht.

Der Begriff „rifffreundlich" suggeriert, dass eine Sonnencreme minimale oder keine Auswirkungen auf Korallenriffe hat. Die Realität ist jedoch: Keine Sonnencreme kann als vollständig sicher für Korallenriffe betrachtet werden. Zwar haben einige Sonnenschutzmittel geringere Umweltauswirkungen als andere – aber alle, auch jene mit dem Label „rifffreundlich", können zu Stress und Schäden an Korallenriffen beitragen.

Das Problem mit „rifffreundlich"

Seit Anfang 2021 hat der Inselstaat Hawaii Sonnenschutzmittel mit Oxybenzon und Octinoxat verboten, da diese Substanzen Korallenbleiche verursachen können. Die Regulierung von „rifffreundlichen" Sonnenschutzmitteln steht jedoch noch am Anfang. Es braucht weitere wissenschaftliche Forschung, um die tatsächliche Sicherheit sowohl physikalischer als auch chemischer Sonnenschutzmittel für Korallenriffe zu beurteilen. Wichtig: Die eigentlichen Hauptursachen der Korallenbleiche sind der globale Anstieg der Wassertemperaturen und landwirtschaftliche Abwässer in die Ozeane.

Was können wir tun?

Schädliche Sonnenschutzmittel beim Schwimmen in der Nähe von Korallenriffen vermeiden:
Sonnenschutzmittel haben nur minimale Auswirkungen auf Korallen, ausser du schwimmst DIREKT bei Korallenriffen (was wir nicht jeden Tag tun). In solchen Situationen empfiehlt es sich, alternative Sonnenschutzmethoden zu maximieren: Schatten suchen, Schutzkleidung tragen (ein langärmeliges UV-Schutzshirt), um den Bedarf an Sonnencreme zu minimieren. Für exponierte Stellen: Sonnencremes bevorzugen, die keine oder geringere Mengen an für Korallen nachgewiesen schädlichen Inhaltsstoffen enthalten.

Häufige Sonnenschutzzutaten

Schädlich: Zinkoxid, Oxybenzon, Octinoxat, Ensulizol (4-MBC)
Leicht schädlich oder keine Auswirkung: Octocrylene, Octisalat, Avobenzon, Octyltriazon (Uvinul T), Ecamsule (Mexoryl SX), Drometrizoltrisiloxan (Mexoryl XL), Titandioxid
Unbekannt: Bemotrizinol (Tinosorb S), Bisoctrizol (Tinosorb M), Diethylaminohydroxybenzoylhexylbenzoat (Uvinul A Plus), Ensulizol, Homosalat

Es ist entscheidend, die tatsächlichen Inhaltsstoffe der Sonnencreme zu lesen und sich nicht allein auf Labels wie „rifffreundlich", „biologisch abbaubar" oder „nicht biologisch abbaubar" zu verlassen. Viele „rifffreundliche" Sonnencremes gehen fälschlicherweise davon aus, dass organische („chemische") Sonnenschutzmittel schädlich und anorganische („mineralische") sicher sind – obwohl Zinkoxid für Korallen schädlicher ist als viele chemische Sonnenschutzmittel, und manche sogar Oxybenzon enthalten.

Zum Schutz der Korallenriffe beitragen

Statt nur auf Produkte zu setzen, die als „riffsicher" bezeichnet werden, gibt es weitere Möglichkeiten, wie wir als Einzelpersonen, Gemeinschaften und Regierungen aktiv zum Schutz der Korallenriffe beitragen können:

* Den Klimawandel bekämpfen: CO₂-Emissionen reduzieren, erneuerbare Energiequellen unterstützen und für Klimaschutzpolitik eintreten. Indem wir die Grundursachen angehen, können wir die Stressfaktoren, die zu Korallenbleiche führen, verringern.

* Verschmutzung reduzieren: Abwässer aus der Landwirtschaft und der Küstenentwicklung minimieren. Nachhaltige Praktiken und Initiativen unterstützen, die die Wasserqualität schützen und nährstoffreiche Abwässer in die Ozeane reduzieren.

* Meeresschutzgebiete schaffen: Meeresreservate einrichten und schützen, die Korallenriffe vor zerstörerischen Aktivitäten wie Überfischung und destruktiven Fischereimethoden bewahren. Diese Schutzgebiete bieten Korallen einen Rückzugsort zur Erholung und Entfaltung.

* Forschung und Naturschutz unterstützen: Wissenschaftliche Forschung, Monitoring und Naturschutzinitiativen für Korallenriffsysteme fördern. Organisationen, die dem Schutz von Korallenriffen gewidmet sind, durch Spenden oder ehrenamtliche Arbeit unterstützen.

Fazit

Korallenbleiche ist ein dringendes Problem, das das Überleben von Korallenriffen weltweit bedroht. Sonnenschutzmittel spielen dabei eine Rolle, aber es ist entscheidend, auch die grösseren Herausforderungen des Klimawandels, der Umweltverschmutzung und der Lebensraumzerstörung anzugehen. Indem wir schädliche Sonnenschutzmittel beim Schwimmen nahe Korallenriffen vermeiden, Korallenriff-Schutzinitiativen unterstützen und für nachhaltige Praktiken eintreten, tragen wir zum Schutz und zur Wiederherstellung dieser unschätzbaren Ökosysteme bei. Gemeinsam können wir dafür sorgen, dass lebendige Korallenriffe auch für kommende Generationen erhalten bleiben.